Juli 24, 2009 von kanjusei

Den Sommerregen auf der Haut
selbst dies für Viele ein Verdruss
Erfüllend fuer mich, so schön lau
So wie der Himmel, ein Genuss

Reflexionen in den Werken Kreativer und deren Wichtigkeit in Hinsicht auf die gegenwärtige Zivilisation – Als Beispiel zwei ausgewählte japanische Filme

Juli 10, 2009 von kanjusei

Unsere Gegenwart ist nicht unbedingt eine gute. Dieser Gedanke geht hervor aus der Betrachtung von Sachverhalten, die, gerade in den Industrieländern, nur für die Wenigsten offensichtlich sind bzw. im täglichen Bewusstsein vorhanden. Allein 34.000 Kinder verhungern am Tag. In den Industrieländern wachsen die Unfähigkeit zu Lieben und neurotische, schwerwiegende Erkrankungen. Die Folgen unserer leistungsorientierten Gesellschaft, in der Gefühle materialisiert werden und Oberflächlichkeit regiert, sind für Natur und Mensch fatal.

Doch warum sind wir da, wo wir sind? Was passiert? Warum? Was sind die Wurzeln?

Ausbeutung der Dritten Welt, Krieg, Hungertod, psychische Erkrankungen, heftige Probleme mit Sexualität, Drogensucht, Lieblosigkeit, Gefühlskälte etc.. Dies alles sind die manifesten Auswirkungen von Wunden und Krankheiten, die uns noch immer nicht ganz bewusst sind. Wir, in den monetär wohlhabenden Gesellschaften, können und sollten zwar damit beginnen, uns damit auseinanderzusetzen, wo in unserem Dasein die Gründe und Wurzeln für die schwerwiegenden Probleme der Gegenwart liegen. Allerdings sollten wir uns auch gleichermaßen bewusst machen, dass jeden Tag zig Millionen Menschen leiden, Aberzehntausende bis Hunderttausende sterben, eng verbunden mit unserem Lebensstandard und der „Weltordnung“. Diesbezüglich gilt es, parallel zur Erfühlung und Betrachtung der Problemswurzeln, Abhilfe für die zu schaffen, die im Bezug auf Rohstoffmangel Not leiden

.

Wie können wir herausfinden, warum was passiert, um zu erfassen was zu tun ist?

In allen Werken, ob es sich um den Inhalt eines Buches oder um einen Film handelt, sind Reflexionen und Reflexivitäten enthalten, die Rückschlüsse auf das Umfeld des Schaffenden geben. Ob dies beabsichtigt ist oder nicht, ist dabei eigentlich nicht von Relevanz. Man kann von drei Ebenen sprechen: Der Form (bspw. die Sprache, das Genre, die Machart, Stil und stilistische Elemente); Dem ersten Inhalt (sofern gewollt „Aussage“, die Story, was der Schöpfer bewusst in seinen Werken verarbeitet); Und dem zweiten Inhalt, der automatisch, durch das Schaffungsumfeld reflexiv enthalten ist und wo es nicht von Relevanz ist, ob dies dem Schaffenden bewusst ist oder nicht. Jede dieser drei Ebenen reflektiert auf irgendeine Weise das Schaffungs- bzw. Entstehungsumfeld, je nach Werk mehr oder weniger. Die Ebenen fließen oftmals ineinander über und sind somit häufig schwer voneinander zu trennen. Es handelt sich bei dieser Einteilung lediglich um ein analytisches Hilfsmittel, das keinen Anspruch darauf hat perfekt zu sein, jedoch recht gut funktioniert – „Warum wird was wie gezeigt?“


Warum wird was wie gezeigt?

Die kulturreflexiven Inhalte, wie in „Dolls“, dem vorliegenden Beispiel, z.B. Kabuki, ausgeklammert, ist es bei einer gegenwartsbezüglichen Analyse oder vielmehr bei der Erfühlung filmischer Werke u.a. äußerst wichtig unvoreingenommen an entsprechende Werke heranzugehen.

Die Werke Kitano Takeshis sind, zumindest noch bis vor einigen Jahren, bei vielen Leuten in Japan auf Ablehnung gestoßen, da diese angeblich ein schlechtes Bild zeigen würden und zu gewalttätig seien. Die Beschränktheit, die hinter solchen Aussagen steckt, einmal Außen vor gelassen, ist es bei näherem Hinblicken ganz klar, dass Herr Kitano ein absolut zeitgenössischer Regisseur ist und die Inhalte seiner Filme nicht einfach nur „seine Richtung“ darstellen, sondern dazu die gegenwärtige Zivilisation reflektieren. So dienen bspw. die Klischee-Yakuza-Charaktere dabei teils nur als stilistische Elemente, zum Ziel vielleicht, über diesen Weg mehr Leute zu erreichen. Vielleicht hat Kitano auch einen Fable für diese Charaktere. Es ist jedoch überhaupt nicht maßgeblich, da auch des Weiteren nicht davon auszugehen ist, dass ihm jeden Tag Gewalt in zu seinen Filmen exakter Äquivalenz widerfährt. Doch jeder nimmt das auf und spiegelt das wieder, was um ihn herum geschieht, in irgendeiner Form. Es geht nicht um die äußere Erscheinung, nicht um den Stil, das Wie, sondern um das Was (und danach um das Warum). So repräsentieren bspw. Sonatine (1993) und Hana-Bi (1997), meiner Meinung nach, vielmehr Lebensgefühle, an erster Stelle, und zeitgeistliche Stimmungen, an zweiter Stelle, als einfach nur Filme, wobei dies eigentlich logisch ist, wenn man darüber nachdenkt. Die Form, das Medium ist natürlich der Film mit allem drum und dran. Aber was sagen uns denn die Emotionen, die Schwingungen, die konkreten Inhalte über das Innere des Menschen, seine Emotionen und somit über das Umfeld? Das ist doch die Frage, die von Bedeutung und Wichtigkeit ist. Alles ist Eines und wir können Rückschlüsse ziehen. Das ist der Punkt, an dem gesellschaftliche, übergeordnet zivilisatorische, und psychologische Aspekte erneut sehr stark wechselwirkend miteinander verwoben sind.


Beispiele:

Anhand des Filmes Dolls (2002) kann man z.B. sehen, dass in die Haupthandlungslinien (der „Story“) durchweg Manifestationen gesellschaftlicher und vielmehr noch zivilisatorischer Fatalitäten eingewoben sind. So könnte man zwar sagen, dass auf den ersten Blick die Kraft, die durch die innige Liebe zweier Menschen füreinander entsteht, sodass man durch das „Band der Liebe“, das durch ein schweres Schicksal nur dicker wird anstelle zu reißen, in allem vereint ist, im Mittelpunkt des Filmes steht.

Auf der anderen Seite sind Zweckheirat, oyakôkô, Oberflächlichkeit, Kaltherzigkeit, Gefühlskälte, Gewalt, Grausamkeit, Suizid, sowie das Streben nach Erfolg in der Leistungsgesellschaft die Dinge, die, scheinbar nebensächlich, auftauchen. Interessanter- und zum Denken anregender Weise „endet“ der entsprechende Charakter durch dieses leistungsgesellschaftorientierte Streben übrigens als Yakuza-Boss und wird später sogar umgebracht, scheitert also, obwohl er in dieser Gesellschaft partizipieren wollte – als Grund suggerierte, illusionäre Werte.

Auch wird Otakuismus thematisiert. Im Veröffentlichungszeitraum war das Wort aufgrund des Falles Ende der 80er wahrscheinlich zumeist noch negativ behaftet und allgemein eigentlich sehr einheitlich konnotiiert. Man kann in Dolls sehen, welche Gefahren mit dem stereotypen Otakuismus verbunden sind. Des Weiteren sind andeutungsweise Situationen zu sehen, aus denen unter anderem Otakuismus entsteht. Außerhalb Japan dürfte dieses Thema wohl unter „Fanatismus“ („Fan“) bekannt sein, welches nicht unbedingt japanspezifisch ist.

An das Erkennen und Erfassen der im Film in Erscheinung tretenden, oben erwähnten gegenwärtigen Zustände muss angeknüpft werden und nach dem Warum gefragt werden. Es handelt sich ja bei dem Film um keine erklärende, dokumentarfilmartige Analyse, sondern um Reflektionen, die durch Kunst ihren Weg von Innen nach Außen finden.

Woraus entstehen die neben der Hauptstory elementar im Film reflektierten Fatalitäten und somit auch diese „Weltordnung“, dieses Weltgeschehen? Woraus entstehen die Fatalitäten dieser Welt, die aus dem alltäglichen Bewusstsein gehalten werden? Wo genau bei uns?

Wenn man die gesellschaftlichen und, damit verknüpft, die individuellen Entwicklungen, die schnell zu „Normalitäten“ werden, betrachtet und darüber nachdenkt, wird etwas deutlich: Der Mensch entmenschlicht immer mehr. Die Frage nach der eigenen Identität führt in noch tiefere Gefilde. Es stellt sich die Frage, „Was ist der Mensch überhaupt?“ und noch grundsätzlicher „Was ist (das) Leben?“ Diese Frage thematisiert Oshii Mamorus zeitloses, ultimatives Meisterwerk „Ghost in the Shell“ (1995) und weiter, noch mehr auf philosophische Dialoge ausgerichtet, das Sequel „Innocence“ (2004).


Weshalb Japan?

Auf technologischer Ebene sowie mit der starken Urbanisierung als auch passiv, mit dem Abwurf der Atombombe und dem Platzen der Bubble Economy, wurden in Japan, zumeist dekadente, Höhepunkte um nicht zu sagen Extreme der modernen Zivilisation erreicht, die für viele Menschen, insbesondere in der westlichen Welt, noch immer futuristisch und unwirklich wirken. Japan war diesbezüglich im letzten halben Jahrhundert immer „einen Schritt voraus“.

Aufgrund dieses „Vorausseins“ ist es auch so, dass eine breite Anzahl von Werken, speziell im Manga- und Animationsfilmbereich, dem Science-Fiction- und Cyberpunkgenre zuzuordnen sind, welche nicht selten (post-)apokalyptische Elemente enthalten und unverkennbar von der Gegenwart beeinflusst sind (Kaze no tani no naushika, Akira, Eden, Chikyuu shoujo arujuna). Natürlich kommt speziell im Bezug auf apokalyptische Szenarien auch naturkatastrophalen Begebenheiten eine tragende und einflussreiche Bedeutung zu. Dass sich die Umsetzung häufig im Animationsfilmbereich vollzieht liegt schlichtweg daran, dass diese dort leichter ist und weniger kostspielig.

Des Weiteren sind der historische Aspekt, dass es erst rund 150 Jahre seit der Öffnung Japans sind, einerseits, und die Perspektive, die man von einem Archipel auf den Rest der Zivilisation einnimmt, andererseits, zwei Punkte, die zweifelsohne interessant erscheinen.


Fazit

Die Reflexionen Kreativer basieren selbstredend auf der Umwelt des Schaffenden. Sie geben Aussage über die Gegenwart und teils über die Zukunft. Viele Werke lassen sich nutzen, um zu sehen was geschieht. Ferner können diese fruchtbare Impulse für den Gang zum Warum geben; Hinweise, an welchen Stellen in unserem Dasein und Wesen, also auch mikrokosmisch, es hakt – ein Fakt, dessen weitläufige Auswirkungen anhand der Weltordnung und der Weltlage zu sehen sind. Trotz dem Image, das manchen Werken aufliegt und auferlegt wird und der Angst vor dem Schmerz der Wahrheit, sollte man unvoreingenommen und subtil auf ausgewählte Werke zugehen („eine Chance geben“) und die Reflexivitäten als weisend nutzen (als gleichberechtigten wissenschaftlichen Weg mit einbegriffen), sich einfühlen, erfassen und etwas tun. Der Schlüssel zu einem richtigen Wandel liegt natürlich in jedem Selbst ;-) .


2012 – Ist die Spirituelle Revolution allgemeinültig?

Juni 27, 2009 von kanjusei

Es ist ein Fakt, dass der Maya-Kalender 2012 endet. Einer Erläuterung, dass das Weltuntergangsgefasel, das aus mancherlei Mundwerken strömt, Schwachsinn und Panikmache ist, bedarf es, denke ich, an dieser Stelle nicht mehr.

In jeder Zeit hat es Menschen gegeben, die „ihrer Zeit voraus“ waren. Von einigen Menschen oder auch „Forschern“ wird behauptet, dass seit Beginn der 80er Jahre mehr denn je derartige Menschen das Licht der Welt erblickt haben (die verwendeten Termini für diese Kinder sind unmaßgeblich), zurückzuführen auf eine weitläufige evolutionäre Erweiterung des Bewusstseins, das heißt jene sind sozusagen „Vorläufer“. Man kann das Wesen, die Entwicklung und die Geisteswelten nicht mehr kontrollieren, definieren oder gar einschätzen, welche sozusagen „über den eigenen Kopf hinausgewachsen“ sind.

Häufig wissen diese Kinder seit den frühsten Kindertagen, dass sie „anders“ sind und durchreisen Schritte und geistige Entwicklungen, die trotz ihrer Formneuartigkeit für den Menschen aus Angst und Missbilligung auf Bisherigkeiten reduziert und abgetan werden. Natürlich heißt das nicht, dass es nicht auch bisher stets mehr bewusste und weniger bewusste Lebensweisen gegeben hat und auch nicht, dass nicht vor langer Zeit vielleicht viel mehr Menschen sich auf einer höheren oder vielmehr „weiteren“ Bewusstseinsebene befanden. (Was danach passiert ist weiß wohl niemand genau zu sagen.)

Doch die Evolution oder besser „Entwicklung“ stoppt nicht und die Lüge vom angeblich erst hunderttausendjährigen Bestehen des Menschen sowie die Negierung des einstmaligen Bestehens unvorstellbar alter Zivilisationen decken sich gerade ganz von selbst auf. Und auch die Umbenennung verschiedenster Institutionen in Namen, die das Wort „Globalization“ oder „Globalisierung“ beinhalten, ist auch nur noch ein verzweifelter Versuch, Spiritus ins bereits friedlich ausgegangene Feuer des alten Zeitalters zu kippen.

Wie könnte eine neue Zeit konkret aussehen? Welche „weltlichen“ Geschehnisse könnten im Zuge dessen auftreten oder gar als ausschlaggebend gemeint sein? Da wäre der Auslauf (negativ: „Zusammenbruch“) des monetären Systems, vielleicht auch das Verschwinden von Politik. Wenn diese beiden die derzeitige Welt(-ordnung) maßgeblich kennzeichnenden und bestimmenden Dinge verschwinden, was machen wir dann? Dann beginnen wir Anderes zu schaffen, ganz einfach. Das Bewusstsein verändert sich, vielleicht bspw. so, dass es an einer Stelle, an der es „für gewöhnlich“ Krieg gegeben hätte keinen mehr gibt, oder dass keine Tiere mehr ausgebeutet, getötet und „gegessen“ werden, sondern ein harmonisches Zusammenleben besteht (Geben und Nehmen dabei einbezogen), ebenso mit der gesamten Natur. Der Mensch hat gelernt, das könnte die Veränderung darstellen. Zu wünschen wäre es.

Der Maya-Kalender erzählt nicht von einem Weltuntergang, sondern von einer „spirituellen Revolution“. Doch wie könnte das Ganze aussehen? Die unumarmte Wahrheit? Können wir uns eine Vorstellung machen? Sicherlich, zumindest Ideen und Wünsche. In jedem Falle wäre es jedoch äußerst nachlässig nur auf Fügung zu vertrauen, denn was hätte es für einen Sinn, wenn bspw. Außerirdische kämen und den Segen über alle und alles streuen würden?

Nein, wir müssen was tun. Es liegt an uns. In jedem selbst ist der Schlüssel für Wandel. Vielleicht wird es tatsächlich gewisse Impulse geben, aber im Endeffekt erfolgt die Veränderung von Innen.

Ein Wandel durch einen inneren. Der Buddha in jemandem selbst, der Weg der Mitte. Die Geschichte ist nicht neu, aber vielleicht ab 2012 von zahlenmäßig größerem Ausmaß. Alle Menschen werden sich ihrer bewusst? Dies hingegen ist schwer zu glauben, wenn man sieht wie viele „jetzt noch“ beschränkt sind. Doch vielleicht wird es diesbezüglich „Helfer“ geben, reine Helfer und keine Führer mehr. Es tut sich was…das kann man sehen.

Das Phänomen Wladimir Putin (oder auch „Russland“)

Juni 14, 2009 von kanjusei

Es ist ja schon erstaunlich. Da hat es ein Mann geschafft, im größten Staat der Welt, so ziemlich die Kontrolle zu erlangen. Wladimir Putin hat die Macht und wir leben in einer Zeit, wo er sie nicht hätte, wenn der Großteil der russischen Bevölkerung das nicht wollen würde. Er ist für die Meisten eben dieser ein Volksheld. Nun kann man in Hinsicht auf seine Politik, Menschenrechte, Wirtschaftskriegsführung, Nationalismus, Rassismus etc. sagen was man will, doch eines muss man diesem Menschen lassen: Im Gegensatz zu nahezu allen anderen Politikern, die auch nur annähernd etwas Macht in ihren Händen halten, besitzt Putin etwas, was der Großteil eben nicht besitzt: Eine nicht egozentrische Motivation. Von Beginn an lag es in seinem Interesse Verbesserung und Sicherheit für Russland zu schaffen. Jeder, der auch nur ein bisschen Menschenkenntnis und Erfühlungsvermögen innehat, kann das nicht negieren.

Putin, als hochintelligenter Mensch der er ist, hat das „System“ und die (geplante) „Weltordnung“ durchschaut und verstanden. Und er hat beschlossen, dass Russland nicht „mitmachen“, nicht partizipieren wird. Dies erklärt auch das eher trockene, kühle zwischenmenschliche Verhältnis mit Merkel. Die hat nämlich keinen Grips und ist, wurzelnd in unserer Zivilisation mit ihren Werten und Normen, auf Grund eines Minderwertigkeitskomplexes in die Politik gegangen. Merkel macht bei dem ganzen Verschwörungsscheiß voll mit und steckt ganz tief mit drin. China, Russland und einige andere Staaten hingegen, speziell jene, die von keiner Religion des Westens in ideologisierender Weise okkupiert worden sind, erweisen sich nach und nach als nicht „einspannbar“, da man a) die Denkweise nicht versteht und somit nicht intrigieren kann bzw. im Falle Russlands die Mentalität scheinbar „unbrechbar“ ist und b) weil die Länder, auf Grund ihrer Größe, nicht ganz überschaubar sind und bspw. bei Indien und China hinzukommt, dass die Bevölkerung zu groß und in sich zu verschieden/vielfältig ist. Auch Russland ist ganz klar so ein „eigenes“ Land, wo großteilig eine so enorm eigene Mentalität herrscht, dass man sich gut vorstellen könnte, dass auch Russland (genauso wie China), auch im Falle einer weitgreifenden globalen Veränderung, Russland bleiben wird. Das Interessante ist vor Allem, dass zwar eine starke Bindung zum christlichen Glauben besteht, dieser jedoch stets in russischer Form, nämlich der Russisch-Orthodoxen-Kirche Bestand hatte. Man kann also schon sehen, dass eine klare Abgrenzung zum Rest, in dieser direkten Form insbesondere zum Westen (Katholizismus, Protestantismus), besteht.

Im Gegensatz zu Putin und Merkel führten und führen Putin und Schröder hingegen ein sehr enges, freundschaftliches Verhältnis miteinander. Ist dies ausschließlich auf Geld zurückzuführen? Nein, muss man bei diesem Mal sagen. Einige Leute sagen, Schröder hätte den Menschen in Putin erkannt. Was ist damit gemeint? Eben, dass Schröder erkannt hat, was Putin will, erkannt hat, dass Putin trotz seiner Härte, Gnadenlosigkeit gegenüber Leuten die ihm oder seiner Ansicht nach im Weg stehen und Kompromisslosigkeit, eine aufrichtige (gemeinte) Motivation besitzt, die in keinem Falle egoistisch oder selbstsüchtig, sondern eben im Bezug auf Russland von allgemeinem Nutzen ist (angestrebt). Ob Schröder Putins Kriege und andere wohl eher „nicht so gute Sachen“, u.a. bspw. mysteriöse Erkrankungen, Todesfälle bis Ermordungen diverser Reporter, nun auch innerlich, entgegen der öffentlichen SPD- bzw. „demokratischen“ Werte, billigt oder gar unterstützt bleibt schleierhaft, jedoch ganz und gar nicht unvorstellbar.

Tja, was soll man sagen, zu Putin, seiner Politik, seiner Motivation? Man kann es nicht sagen, weil man nicht drinnen steckt. Man könnte viel umherreden, debattieren, ihn attackieren wie „herkömmliche“ Diktatoren, aber ihn unterscheidet von eben diesen, dass er es nicht für sich tut. Die kompromisslose Gewalt ist die eine Sache, die Motivation die andere. Gewalt ist immer falsch/schlecht, heißt es. Aber den Gewissenluxus das zu sagen haben bei Weitem nicht alle in dieser Welt, zumal dieser Satz, oder auch Phrase, in Ländern gepredigt wird, die aktiv an der Ausbeutung und Unterdrückung der Dritten Welt „teilnehmen“.

Dieser Aufsatz entstand aus Faszination und nicht etwa aus Begeisterung für Wladimir Putin, sein Handeln oder Sonstiges seiner Person betreffend.

Irgendwo südlich von Kokura

April 17, 2009 von kanjusei

Kokura – selbst jemandem, der Japan kennt, ist dieser Ortsname vielleicht kein Begriff oder zumindest keiner, den man mit etwas Besonderem verbindet. Für mich jedoch hat diese Gegend eine besondere Bedeutung. Besonders traurig? Prägend? Besonders glücklich?… Ich weiß es noch nicht.
Auf jeden Fall weiß ich, dass ich so traurig und enttäuscht von mir bin, dass ich weder weinen noch lachen kann. Nichts ist da. Nichts außer Sprachlosigkeit und Leere. Ich schreibe diese Zeilen, weil ich hoffe, dass das Internet und somit die Technologie auch auf menschlichbeziehungstechnischer Ebene „doch“ von Nutzen sein, sprich helfen kann.

Am Freitag, den 27.3.2009, gegen 17:20 Uhr, stieg sie, ein oder zwei Stationen nach Kokura, in den Zug Richtung Hakata ein. Während des Einsteigens blickte sie mich lächelnd an, stellte sich dann mit dem Gesicht dicht vor die Türe, in deren nächster Nähe ich stand, und blickte nach Draußen. Eine längere Strecke mit dem schönen Blick auf einen von Sonne beschienen, waldigen Berg und später ein Vergnügungspark ist mir noch in Erinnerung (ich glaube es war Space World). Ein oder zwei Stationen danach muss sie wohl ausgestiegen sein, obwohl ich auch das mittlerweile anzweifele. In den zehn(?) Minuten, in denen sie neben mir stand, ging mein Zeitgefühl absolut flöten und besagte Periode kommt mir im Nachhinein vor wie ca. 30-45 Minuten. Zeit ist relativ – das kommt einem hier immer wieder in den Sinn. Schon bereits kurz nachdem sie ausgestiegen war dachte ich, dass es wohl einer der verheerendsten Fehler meines Lebens gewesen war, sie nicht anzusprechen oder sogar direkt mit auszusteigen. Warum nur? Warum?

Sie trug eine normale, nicht besonders weite Jeans, die sie etwas hochgekrempelt hatte und ich glaube beige, hohe Converse. Sie hatte dunkle, lange Haare, einen pink I-Pot und eine schwarze, rucksackartige Tasche mit einem kleinen weißen Emblem, das aus dem Schriftzug „Manhattan“ und gestickten Wolkenkratzern bestand. Die Beine hatte sie durchgestreckt. Japanerin? Kann sein, kann aber auch nicht sein. Halbjapanerin? Kann sein, kann aber auch nicht sein. Der „Style“ war auf jeden Fall keiner, den ich bisher oft bei japanischen Frauen bzw. Mädchen gesehen habe. Auch die Augen waren nicht unbedingt erkennbar asiatisch.

Beim Ausstieg lächelte sie in die Scheibe der Zugtüre, sodass ich ihr gespiegeltes Lächeln sehen konnte. Ich glaube das Lächeln beinhaltete in seiner Essenz etwa so etwas wie „Blödmann“ oder „Bist du ein Idiot, dass du nicht aussteigst oder sonst etwas getan hast!“.

Am Nächsten Tag fuhr ich von Hakata weiter Richtung Süden, down. Ich dachte schon öfters vieles, aber in diesem Moment fühlte ich ganz tief diesen schwerwiegenden Fehler. Ich schrieb allerlei in mein Notizbuch und nach einer Zeit kam ich zu einem Ergebnis, welches in meiner Situation, zumindest etwas später, recht hilfreich war. Einige Wochen zuvor hatte ich ein nicht besonders dickes Buch von Inoue Yasushi in ca. drei Zügen ausgelesen. Eine Quintessenz des Buches war, dass die meisten Menschen zwar geliebt werden wollen und dann auch zurücklieben, aber die bedingungslose Liebe geben, um zu geben, nicht um zu erhalten, das tut fast niemand. War es nicht auch bei mir wieder erneut so gewesen, dass ich nicht daran gedacht hatte, dass ich Liebe geben möchte, sondern mehr an das Erhalten? Allerdings hatte ich bisher noch gar nicht an Sex mit der jungen Frau gedacht, was davon zeugte, dass ich ganz und gar von ihrer geistigen Wirkung angezogen war.

Trotz guter geistiger Fortschritte war ich sauer, sauer über den Einfluss der Normen, Werte und die ‚Erziehung’ (besser „Konditionierung“), welcher der Zivilisation beiliegen und die unserer Natur absolut widersprechen. Wenn es nach meinem inneren Wunsch gegangen wäre, dann hätte ich sie angesprochen, aber dann drangen wieder die Blockaden wie schleierweiße Energiestriemen von Außen in mich ein und legten mir Fesseln an. „Man kann doch hier nicht einfach so jemanden ansprechen“ oder „Du kannst sie doch nicht einfach so ansprechen“.

Warum dieses Denken? Woher kommt dieses Denken? Ich verfluchte diese Welt wieder einmal. Anstelle zu reden kappselten wir uns beide mit Stöpseln in unseren Ohren ab…oh, nein.

Dann kam ein anderer Pfeil, der mir „einschießen“ wollte, dass sie durchgedrückte Beine habe und deswegen doch nicht so ansprechend sei wie auf den ersten Eindruck…unglaublich. Als ich darüber im Nachhinein reflektierte, kam ich zur reinen Wahrheit, dass es mir angesichts ihrer Wirkung auf mich scheiß egal ist, wie ihre Beine konstituiert sind. Die Wut über die vom Umfeld suggerierten Schönheitsideale und deren konditionierend beeinträchtigenden Wirkungen wuchs weiter.

Mir schweiften jedoch noch weitere andere Gedanken durch den Kopf wie z.B. „das geschlechterspezifische Wesen/Verhalten der Frauen“.

Hatte ich vielleicht so oder so schon aufgegeben? Wartete ich nicht darauf angesprochen zu werden, weil ich die Konvention oder verbreitete Norm, dass „der Mann“ stets die Lage ergreifen und Ansprache leisten muss, total bescheuert fand. Andererseits: War ICH es nicht der etwas wollte? Trotzdem besteht zumindest das Image, dass der Großteil der Frauen, solang nicht lesbisch veranlagt, erwarten, dass „der Mann“ den ersten Schritt unternimmt. Ich dachte nach und merkte, dass ich mich nicht so gut in Frauen hineinversetzen konnte wie in Männer.

Es gibt definitiv Unterschiede die nicht nur physischer Natur sind. Wie ticken „sie“? Was denken „sie“? Es ist ganz logisch. So wie der weibliche und männliche Körper sich unterscheiden, so bestehen auch selbstredend auf geistiger Ebene einige fundamentale Unterschiede, nicht zuletzt, weil Körper und Geist ja doch irgendwo zusammengehören.

>>Die Zeit heilt alle Wunden…oder zeigt wie tief diese sind<< dachte ich. >>Was hilft da schon vor die Stirn hauen? Eigentlich hilft da gar nichts außer…scheiße, das ist wohl ´essenzielle` Verzweiflung.<<

Auf den Tag genau, Freitag, eine Woche später, machte ich mich auf den gut vierstündigen Weg Richtung Kokura, um in den vermutet gleichen Zug wie eine Woche zuvor zu steigen, in der Hoffnung, dass sie Gleiches tat. Wenn ich es nicht getan hätte, hätte ich es bereut und wäre auf unbestimmte Zeit in schaffungsunfähiger Lethargie versunken, weil ich meiner Intuition nicht nachgegangen wäre bzw. es nicht einmal versucht hätte und ich als Ganzes und mit allem was in Form von Expression aus mir dringt, sehr fragwürdig gewesen wäre.

Aus vielschichtigen und vor allem guten Gründen, deren Erläuterung zu viel Raum erfordern würde, zahlte ich für diesen Zugtag 640 Yen (ca. 3 Euro) und fuhr somit für ca. 80 Euro schwarz. Oder kann man es hinsichtlich des japanischen Bahnfahrtzahlungssystems gar nicht so nennen? Eigentlich ist es nämlich gar nicht möglich schwarz zu fahren, da man seine Fahrkarte am gewünschten Zielort zum „Auschecken“ benötigt. Da ist das japanische System wirklich sehr praktisch; Wenn man einfach nur etwas gucken möchte, ohne plant den Bahnhof zu verlassen, ist eigentlich alles sicher. In den normalen Zügen wird nämlich nicht kontrolliert. In dieser Situation kam mir wirklich der Terminus „Das Land der Götter“ in den Mund und brachte mich doch sehr zum spitzbübischen Schmunzeln.

Ich traf bereits gegen 16:00 Uhr in Kokura ein, was jedoch nicht mit „überpünktlich“ ab-zuwerten ist, da ich eine freundliche, hilfsbereite Person traf und mir in englischer Sprache Sätze von der Seele sprach, die eigentlich alles gut zusammenfassten, was mich in den letzten Tagen beschäftigt und nicht losgelassen hatte. Somit gebar sich ein verbaler, gesund ordnender Überblick. >>Was uns seitens der Zivilisation anerzogen wird…das ist absolut gegen die Natur. Wir tun Dinge nicht, die uns eigentlich gut tun und niemandem schaden würden, weil wir beigebracht bekommen, dass man das nicht macht oder weil das „so“ und nicht anders zu sein hat oder gemacht werden muss, „weil das so ist“.<< Nachdem ich ca. 1 Minute spontan alles rausgelassen hatte, lachte der junge Mann aus Quebec, der die schulterlangen, hellblonden Haare zu einem Zopf zusammengebunden hatte und nickte zustimmend mit einem fast schon etwas verbitterten Ausdruck, anhand dessen sich hätte vermuten lassen können, dass sich meine Sätze um ein Thema oder besser eine Sache drehten, derer bezüglich er schon lange aufgegeben hatte.

Ich stieg, ohne hundertprozentig von der Übereinstimmung in Bezug auf die vorige Woche sicher zu sein, in den Schnellzug um 17:14 Uhr. An jeder Station stieg ich aus, um ein Stück zu den hinteren Abteilen zu rennen und diese nach ihr zu durchsuchen. Eine Station nach Space World stieg ich an der Station aus, an der ich ihren eine Woche zurückliegenden Ausstieg vermutete und wartete noch zwei Züge ab, um letzthoffend zu schauen, ob sie ausstieg, vom Nebenjob, vom Sport oder von sonstigem Regelmäßigen kommend. In den zweiten dieser zwei Züge stieg ich ein und machte mich auf den Heimweg.

Ich habe lange, dunkelblonde Haare, bin dünn und ca. 1,80 Meter groß. Zu dieser Zeit hatte ich einen so genannten Schnurr- und Kinnbart (Ziegenbart klingt bescheuert). Meine Augen sind etwas schlitzartig. Ferner hatte ich einen, überwiegend roten, Rucksack und eine große dunkelblaue, quaderartige Rollreisetasche bei mir. Meine Jacke war schwarz, meine Hose eine weite blaue Jeans. Bitte melde Dich.


Ein Wort

April 6, 2009 von kanjusei

Zum zweiten Mal sagte es mir gegenüber jemand. Beim ersten Mal war es in englischer Sprache, bei diesem Mal hingegen in japanischer Sprache gewesen. Aber auch bei diesem zweiten Mal wurde besagtes Wort, „idealistisch“, benutzt in einer Situation, die für den Benutzenden unangenehm war. Allerdings brachte dieses zweite Mal Gedanken mit sich, die meine Denkweise erneut positiv erweitern sollten.

Das erste Mal ist eigentlich weniger erwähnenswert, da es sich bei Idealistisch-Sagendem, im Angesichte der Zivilisation mit ihren Werten und Normen, um einen enorm benachteiligten Menschen handelte, der zu den körperlich kleinen Menschen gehörte, die durch das Kleinsein egoistisch geprägt sind, weil sie befürchten, dass sie große Probleme haben Geschlechtsverkehr zu bekommen oder Angst davor haben nicht beachtet zu werden, gerade im Bezug auf Frauen. Deshalb versuchen diese Menschen teilweise im Fernen Osten – weiß der Geier warum oftmals Japan – zu „punkten“ oder „erfolgreich“ zu sein, und zwar mehr durch Status und Können, als durch Selbstsein und die Anziehung von Essenzen, zweier Wesen und Lebensenergien. Diese Leute sind – wenn auch leider nicht hundertprozentig mit Wesen und Seele darin vereint – meistens sehr bewandert in dem was sie tun, da sie an nichts anderes denken, als daran wie sie „es“ schaffen können. Man kann von einer „Ellenbogenmentalität“ in Form von „Ich und Außen“ sprechen.
Jedenfalls ist dementsprechend, außer in Bezug auf interessante zivilisatorisch-gesellschaftlich-psychologische, wechselwirkende Aspekte, das erste Mal nicht von Interesse, da der Ausspruch „Das klingt für mich ein wenig idealistisch“ mit einer höhnischen Gesichtskirmes, bezüglich des „Witterns“, Spürens oder Bemerkens einer Existenzgefahr allein durch potentielles „Aufdecken“ oder der Möglichkeit „offen zu legen“ durch das Gegenüber, doch sehr viel sagend war, also erneut die ach so verdammte Angst. Diese Leute sind diesbezüglich sehr sensibel. Sie spüren, wer potentiell(!) gefährlich sein könnte, schalten paranoid um und sehen sofort einen Feind im sozial- bzw. psychologisch intelligenten Gegenüber. (Dies bezieht sich aber nicht ausschließlich auf besagte körperlich kleine Leute, sondern im Grunde genommen auf alle, die riesige Angst haben, dass man zu sehr in geistige Gefilde vordringt und die aufgrund dessen häufig eine ablehnende Haltung einnehmen bzw. aus Angst eine, nicht selten arrogante, Antipathie bzgl. der „Gefahrenquellen“ aufbauen, da dort, in ihnen, scheinbar wirklich etwas ist, mit dem sie nicht konfrontiert werden wollen. Diesbezüglich kann man also sagen: Nicht ich! Ihr seid es selbst/Du bist es selber!)

Das zweite Mal jedoch kam das Wort aus dem Mund eines mir geistig doch sehr nahe stehenden, gut zehn Jahre älteren Japaners. Ein wenig lustig ist die Geschichte ja schon…Ich ging gut einen Monat vorher mit ihm in die Stadt, zuerst etwas essen und dann in ein Kaffee. Er erzählte mir, in einem ansonsten wirklich sehr angenehmen, seelentreffenden Gespräch, dass seine Freundin, die für eine große Kleidungsfirma arbeite, einmal im Monat für eine Woche nach Thailand fliegen würde…
Erst Zuhause oder auf dem Rückweg schossen die Gedanken unweigerlich hervor: Kleidungsfirma, Thailand – warum wohl? Made in Thailand. Da ich sehr viel von dem Mann hielt, fragte ich mich, ob der denn da blind, naiv oder eben doch regional japanisch sei, was ich aber nicht glauben wollte. Er war es aber um seines, meines und dem Dank der Welt jedoch nicht, zumindest nicht ganz. An besagtem Tag trafen wir uns in einem Club und als wir draußen bei der Kasse und dem Clubbesitzer, den ich ebenfalls recht gut kannte, mit einer Gruppe von etwa sieben Leuten saßen, preschte ich, wie ich das eben so tue, zu meinem neuen guten Freund heraus, dass ich mit ihm im Bezug auf seine Freundin über etwas sprechen wolle. Er sagte darauf „das ist meine Freundin“ und zeigte auf eine junge Frau, die gerade gekommen war. Ich setzte, folgend dem satzanfangenden Wort „Scheiße“, weiter fort, dass ich eigentlich etwas Ernstes mit ihm im Bezug auf sie besprechen wollte, scherte mich dann jedoch nicht weiter um situative Begebenheiten und sprach ihn lauthals herausbrechend darauf an, dass das doch nicht in Ordnung sei mit der Produktionsweise in so Ländern wie Thailand halt. Irgendwie oder irgendwas stoppte kurz darauf meine Verbalsalve und als ich mit den Worten „Du fliegst doch einmal im Monat für eine Woche nach Thailand, oder nicht?!“ verifizierend nachharkte, bekam ich „Neein, das war nur Urlaub“ als Antwort zurück. Was sie und ihr Freund da also verzapfen wollten war, dass sie ausschließlich letzten Monat für eine Woche Urlaub in Thailand gemacht hätte. Ich hatte zwar schon etwas getrunken, doch ich war überzeugt, mich felsenfest zu erinnern, dass er mir das beim vorigen Mal aber etwas anders erzählt hatte.

Nach einer Zeit sagte er „Lass uns was trinken gehen“. Unten gab er mir ein Getränk aus und sagte dann, dass das ein Geheimnis mit seiner Freundin und der monatlichen Thailandreise sei.
Du hast eben also gelogen“ stellte ich fest. Aber warum ist so etwas wohl ein Geheimnis und warum eines, das es sogar gilt mit Lügen zu bewahren? Als ich ihn in dieser Manier fragte erwiderte er, dass er auch nichts Genaues über die Thailandgeschichte wüsste. „Aber du kannst dir doch vorstellen was da passiert. Das was da passiert ist nicht richtig.“ sagte ich. Er sagte in der Tonart, die innehat, dass es keines Hinweises diesbezüglich bedürfe, dass er das schon wüsste, aber das sei idealistisch. Die Logik des Satzes verstehe ich bis heute noch nicht ganz, aber die arme Essenz ist doch recht durchschaubar. Er fügte hinzu, dass die Welt sich ändere, dies aber nicht von heute auf morgen.
„NA, DANN FANG DOCH BEI DIR AN!“ dachte ich kurz danach, was ich jedoch erst beim übernächsten Mal in seiner Gegenwart loswurde.

Ist es negativ oder schlecht ein Idealist oder idealistisch zu sein?“ dachte ich in Form einer rhetorischen Frage, deren Antwort ich schon längst kannte, auf dem Nachhauseweg. Aber dann…fiel mir auf…dass das nur ein Wort ist…und man sich nicht von der geläufigen Konnotation oder der (scheinbaren) Selbstverständlichkeit der Bedeutung eines Wortes überrumpeln lassen sollte, zumal die Intentionen und Funktionen, die hinter der Bedeutungspauschalisierung eines solchen Wortes stehen äußerst schleierhaft und fragwürdig sind.


Verrückt“, „Chaos“, „Idealist“…Wörter…ein Wort…nur ein Wort.


Die Sehnsucht nach der Einen und ihre Kraft

April 6, 2009 von kanjusei

>>Ich bin ja wohl am Durchsten überhaupt<<, >>Ich bin ja wohl das Durchste überhaupt<< Ungefähr im Rahmen dieser Worte habe ich wohl zu mir selbst geflüstert, als ich auf dem Fahrrad saß und zurück zu meinem Wohnheim, am Rande des Morioka-Waldes, fuhr. Zuvor hatte ich gelacht und zwar mit einem ungläubigen Kopfschütteln, was wohl in seiner Essenz nicht stärker hätte sein können. Das Lachen allerdings war ein wirklich „Herzhaftes“ gewesen und wandelte sich danach, trotz großer Sehnsucht, die tief aus meinem Inneren drang, in ein zufriedenes Lächeln. >>Na siehst du…du kannst tief aus dem Herzen heraus lachen. Ist doch alles gar nicht so schlimm.<<

Einen Tag zuvor war ich in einem recht undergroundmäßigen Musikclub gewesen und hatte, den zweiten Freitag in Folge, eine junge Frau oder, für mich schöner, ein „Mädchen“ nicht aus den Augen lassen können. Wie sie tanzte…so natürlich. Ihre Augen zeigten Tiefe und ihre Bewegungen waren für mich anmutig und grazil, eine Augenweide, wobei die meisten sicherlich anders gedacht hätten. „Sie hatte was“ wäre vielleicht trotzdem aus den Mündern vieler erklungen, doch für mich war da viel mehr.

An diesem Tag saß ich wieder, gefesselt und gefangen, an einem Computer der Bibliothek und kam in eine schlechte Stimmung, weil ich das Gefühl hatte wieder nicht „voranzukommen“. Nicht etwa im Bezug auf die Leistungsgesellschaft, sondern im Bezug auf mich selbst. Und die Liebe, ja die Liebe…Wer kennt es nicht? Die Sehnsucht und das Streben nach der großen Liebe oder zumindest das Denken daran. Die, die erfüllt und Glück bringt, aber dennoch nicht blind macht. Die, die einen Zustand von Erleuchtung, das Erfassen des Universums, sprich Vollkommenheit bewirkt und die Zweisamkeit keine blockierenden, limitierenden Wirkungen hat. Glücklich sein, aber trotzdem, ohne Grenzen, nachdenken, etwas bewegen und diese Welt verändern können, da Ansporn, Wille und Tiefe noch immer so stark vorhanden sind wie beim „Alleinsein“.

So fuhr ich, mit einem Gefühl von Unzufriedenheit und Unmut, Richtung Kokai, einer Einkaufspassage mit zahlreichen, traditionellen Geschäften und Gemüsehändlern, deren Stände in garageartigen, zur Gasse hingerichteten Teilen gewöhnlicher Häuser oder Gebäude, die sich aneinanderreihten untergebracht waren. Ich dachte an dies und das und vor allem an sie. Und als der Gedanke immer klarer wurde, da…kam sie mir entgegen. >>Guten Tag!<< sagte ich und sie nickte mit der gleichen Art, die mich bereits einen Tag zuvor denken ließ >>Schwierig<< oder >>Mühe<<. Die Haare wirkten irgendwie anders als am gestrigen Abend, nicht so voll und nach hinten zu einem Knäuel gebunden anstelle nach unten gekämmt. Absolut in Verwirrung und mit zuvor selten erlebter Perplexität spuckte ich auf Japanisch nur ein >>Unglaublich…<< heraus und stellte wie von selbst auch mein Fahrrad vor dem Supermarkt ab, in dem sie, wie es schien, einkaufen wollte. Ein bisschen komisch wirkte es wahrscheinlich schon, da ich bereits an den Fahrradstellplätzen vorbei war und wieder umkehrte. Ich tat so als ob ich ganz normal einkaufen wolle, nahm einen Einkaufskorb, was auch sie tat, und gerade als ich sie ansprechen wollte ging sie, im Gegensatz zu mir, auf die Treppe zu den oberen Etagen zu. Ich hielt es scheinbar nicht für gut ihr zu folgen und so überlegte ich in aller Verwirrtheit was ich denn überhaupt kaufen könnte und lief absolut planlos durch den Supermarkt. Schließlich kaufte ich etwas, was ich immer kaufte und ging wieder nach Draußen, zu meinem Fahrrad.

>>Wie mach ich es nur? Wie stell ich es nur an? Das ist doch wohl kein Zufall…<<

Ein persischer Bekannter, der immerzu sehr hilfsbereit war und stets ein offenes Ohr hatte, lehrte mich einmal ein Sprichwort aus seinem Land: „Wenn du die Tür deines Hauses aufmachst und unter die Fußmatte guckst, dann ist da das Pech. Das Glück jedoch klopft nur einmal an deiner Tür und es liegt an dir es in dein Haus zu bringen. Es wartet nicht, es zieht weiter.“ Mehrere Male schon hatte ich es ziehen lassen und die Nachwirkungen Demotivation, Ohnmacht und Lethargie kamen so wie der Hang zur Resignation und Depressionen.

Ich musste wieder, nach langer Zeit, an dieses Sprichwort denken, da meine Gefühle „dieses Mal wirklich anders“ waren ;) . Ich überlegte wie ich möglichst clever und unauffällig die Zeit…Nein, zuerst dachte ich, ich warte und frage sie einfach nach ihrem Namen. Zunächst aber kaufte ich erst etwas Gemüse an einer „Gemüsegarage“, wo eine junge Frau sich sogar noch an meinen Namen erinnerte, der als Gesprächsinhalt eine Woche zuvor doch eher latent nebenbei gefallen war, als als ein Satz, an den man sich noch lange erinnern würde. >>…Ich bin ein bisschen klug…<< sagte die schielende, Tiefe Ausstrahlende, als ich mein Erstaunen über die vergewissernde Nachfrage in Bezug auf meinen Namen zum Ausdruck brachte. Diese Äußerung ihrerseits wirkte in keiner Hinsicht arrogant oder dergleichen, vor allem da es dieser Verbalität gar nicht bedurft hätte, um die Cleverness, Klug- und Keckheit zu erfassen, die dieser gute Mensch innehatte.

Nach dem optionalen Kleineinkauf ging ich zurück zu meinem Fahrrad, dann wieder etwas die Gasse hoch, schaute noch einmal bei einem Laden vorbei, bei dem ich sonst immer eingelegten Kohl kaufte und der sich direkt diagonal gegenüber des Supermarktes befand. Da der Besitzer gerade dabei war Feierabend und den Laden dicht zu machen, ging ich wieder die paar Schritte zurück und kaufte beim Gemüsehändler mit den Worten >>Aus Versehen vergessen.<< erneut etwas (allerdings konnte ich dieses Etwas für meinen Kochtopf eigentlich immer gebrauchen). In mir selbst vertieft ging ich geistesabwesend auf und ab, blieb bei meinem Fahrrad stehen, ging etwas vor und guckte durch das Supermarktfenster, wo mir eine Verkäuferin der Drogerieabteilung einen vielleicht skeptischen Blick zuwarf. Erst jetzt begriff ich, dass es ihr vielleicht unangenehm sein könnte. Also ging ich, jedoch nicht unbedingt in Rücksicht auf sie, zurück zu meinem Fahrrad und stellte mich, mit dem Versuch Mut anzusammeln, erneut in Richtung Supermarkttüre. War sie überhaupt mit einem Fahrrad gekommen oder hatte ich mich getäuscht? Recht viel Zeit war schon verstrichen. Hatte sie vielleicht durch eine andere Türe den Supermarkt schon längst verlassen?

Wie es der Zufall(…) wollte kam, nach einer Episode wortwörtlich Zeit vertreibendem, jedoch recht praktischen Kopfhörerentwirrens, eine andere junge Frau, die ich von meiner heimatlichen Uni kannte und es entwickelte sich, ich dachte zunächst zu meinen Gunsten, eine Alibikonversation dafür, dass ich noch immer vor dem Supermarkt stand. Ich redete absolut verplant an ihr vorbei und blickte verworren durchgehend Richtung Supermarkttüre. Da ich eigentlich nur ein äußerst geringes Interesse für die Person mit der ich sprach hatte, waren die Unkonzentration und das für mich selbst unnatürliche, krampfhafte Verhalten von doppeltem Ausmaß.

Gerade als sie mich nach einer Kontaktmöglichkeit fragte, schwebte der Engel in seinem schwarzweißen, nahezu barocken Rock wieder aus dem Supermarkt heraus. Ich schaltete alles um und sagte nur >>Ich muss jetzt aber mal weg!<< oder so ähnlich. Aber irgendwie verstand sie, die blonde junge Frau, das nicht und so wandelte sich die anfangs vermutete Gunst doch in eine kleine Hürde um. Das zierliche Mädchen, mit dem Rock natürlicher Art, nahm ihr Fahrrad, welches fast neben dem meinigen stand. >>Doch!… Natürlich!… Klar war sie mit dem Rad gekommen…sonst wäre sie doch gar nicht erst nach mir in den Supermarkt gekommen.<< Ich sagte noch einmal, vielleicht, aus der Perspektive des Gegenübers, noch plumper >>Ich muss jetzt weg<< (haha) und sah verzweifelt wie meine schwarzhaarige Braut auf ihr Gefährt stieg und einen unkalkulierten Weg einschlug. Ich schwang mich einfach auf das meine und folgte ihr um die Ecke. >>’Tschuldige…Entschuldigung!<< preschte es abwesend und unbewusst, in leiser Rufart aus meinem Mund. Sie drehte sich um und hielt an. >>Das ist vielleicht etwas direkt, aber darf ich Dich nach Deinem Namen fragen? << sagte ich geradewegs, einfach heraus. >>Aber natürlich!<< antwortete sie und sagte mir ihren Namen. Nanu, was war das für eine Stimme?… Die hatte ich aber ganz anders in Erinnerung und auch diese Tonlage hätte ich gar nicht erwartet dachte ich formlos. Mir kamen die ersten Zweifel, die eine Verwirrung mit sich brachten, die wahrscheinlich ihresgleichen sucht. Wir fuhren zusammen weiter und ich sagte, eingebettet in eine Art Selbstvorstellung, aus welchem Land ich kam. Sie erwiderte, dass meine Muttersprache ihr Hauptfach sei, was ich irgendwie erst später verstand. >>Du bist STUDENTIN?<< fragte ich sie verblüfft, mit dem Hang zum Verstehen. Gestern war sie laut Information eines Freundes noch Friseurin gewesen. >>Warst Du gestern im Janson?<< setzte ich fort. Sie sagte irgendetwas anderes, doch ich war so aufgelöst, dass ich fast gar nichts mehr registrierte. Aber die Konversation flutschte, floss und mir war nicht unwohl. >>Was ist Janson?<< fragte sie und ich verstand. Nein, sie war es nicht…aber woher? Woher kannte ich sie? Und vor allem, WIE konnte all das möglich sein?

>>Aber woher kennen wir uns denn? Wir haben bisher aber noch nicht miteinander gesprochen, oder?<< fragte ich, sagte ich halb, feststellend. >>Nur „Hallo“.<< entgegnete sie. >>Man, man entschuldige, ich bin ein Trottel…entschuldige<< lachte ich geistig und vielleicht auch physisch, kopfschüttelnd über mich selbst und meine Verpeiltheit, die erneut ein Ausmaß erreichte, mit dem ich wirklich nicht mehr gerechnet hätte. Sie fragte mich, wo denn der Club sei und ich sie, ob sie schon einmal da gewesen wäre und später des Weiteren, nachdem sie verneinte, ob sie denn schon einmal in einem anderen Club in der Stadt gewesen sei. Sie verneinte erneut, sagte jedoch, dass sie eigentlich schon seit längerer Zeit gerne einmal in einen gehen würde. Wir unterhielten uns folgend über Musik, welche jedoch nicht unbedingt in Verbindung mit der Clubthematik gebracht werden kann, außer dass es sich eben auch um Musik handelt – Klassik. Chopin, Schumanns Träumerei, Schubert und Erik Satie waren die Namen und Themen, die fielen. Bei Chopin kann ich nicht mal mehr als Dilettant gelten, aber Schumann und Satie brachte ich mit etwas Wissen und auch aufrichtigem Interesse mit ins Gespräch ein.

Später dachte ich darüber nach, ob ich denn auch bei ihr, für die das Desinteresse sich mit jedem Mal wo ich sie sah immer mehr herausstellen sollte, so sein könnte wie ich wirklich bin. Der Grund dafür lag wahrscheinlich darin, dass ich mir, die Anmut der zwei Freitage Janson in Folge betreffend, in meinen Gedanken schon wieder Wunschbilder ausgemalt hatte. Ferner, so denke ich, ist es grundsätzlich so, dass man nach längerer Zeit des geschlechtlichen Alleinseins und auch sexueller Enthaltsamkeit auf zweisamer Ebene, für „Vergucken“ und Illusionieren leicht „anfällig“ ist. Ich dachte erst, dass dieses Nachdenken das Niederschreiben dieser Zeilen wahrscheinlich noch überdauern würde, jedoch kam ich schließlich zu der schon lange überfälligen, endgültigen (Selbst)Erkenntnis, dass ich lernen müsse mich zu entfernen, vom sofortigen Nachdenken („Gucken“) oder, treffender gesagt, „Harschen, ob es was geben könnte oder nicht“. Menschen macht euch frei!!! Schlaft miteinander ohne zwangsmäßig in einer Beziehung sein zu müssen!! (auf einer passenden, angemessenen Ebene) Das erspart viel (Negatives). Und eine Menge großer, zivilisatorischer Probleme!

So fuhren wir noch einige Zeit nebeneinander her. Einmal schlitterte ich mit dem Reifen am Bordstein, kurz danach sie. Bis vor ihre Haustüre begleitete ich sie, das Mädchen mit dem gestellten, fassadenhaften und leicht krampfhaft gezwungenen Lächeln, wo sie mich über-raschenderweise nach meiner Nummer fragte. Ich gab ihr ersatzweise meine Emailadresse. Nachdem wir uns verabschiedet hatten fuhr ich den Weg wieder zurück – lachend und meiner Geisteswelt Nichtsfassen und die temporäre Unfähigkeit, Aufzurollen und etwas Treffendes zu sagen entgegenbringend. Nachdenklich stimmte mich das Ganze allerdings schon, jedoch keineswegs negativ. Wie war es möglich gewesen, dass ich SIE für SIE hielt? Waren sie sich ähnlich? Ich glaube eher weniger. Was war da also nur passiert? War es soweit gekommen, dass ich eigentlich in der Lage wäre mich nach all der Pein in etwas reinzusteigern, sobald mir die Ausstrahlung und das Aussehen einer Frau gefielen. Allerdings würde ich wahrlich und sicherlich mit mehr Frauen schlafen, als ich eine ´Beziehung` eingehen würde.

Am Ende des Tages besinnt man sich wieder zurück auf die Eine, die aus der Jugend vielleicht…das erste und eventuell auch einzige Mal wenn man das Gefühl hat, dass man jemanden mehr liebt als alles andere, als sein eigenes Leben. Aber ist auch diese Besinnung vielleicht nicht nur ein Hineinsteigern, weil es mit der, die man momentan „wirklich“ begehrt irgendwie nicht zu klappen scheint oder einfach niemand kommt? Ich weiß es nicht…kann es nicht glauben, weil ich an etwas anderes glaube oder ich glaube es nicht, weil ich Angst habe.

Schließlich begann ich mich bis zu dem Punkt zu fragen, ob ich denn wirklich „heterosexuell“ bin, wobei ich denke, dass jeder denkende Mensch irgendwann zu dem Ergebnis kommen dürfte, dass diese Bezeichnungen ausschließlich ein Produkt und eine Illusion unserer Zivilisation sind.

Der Wunsch, das Sehnen und das daraus werdende Streben nach Liebe, DER Liebe.
Die Kraft der Sehnsucht. Mächtig, suggestiv, gefährlich, manipulierend, weisend?

Manifestationen einer kranken Zivilisation

März 19, 2009 von kanjusei

Gleich zwei Mal. Einmal im US-Staat Alabama und einmal im baden-württembergischen Winnenden liefen zwei Menschen, im Abstand von gerade mal zwei Tagen, Amok. Die Debatten laufen erwartungsgemäß auf Hochtouren. Doch sind es erneut, ebenfalls erwartungsgemäß, nur die Problemsprobleme, die aufgegriffen werden (im Besten Falle). Es wird darauf rumgetrampelt was dieser Mensch getan hat und keine ernsthaften Schritte unternommen, in die Tiefe zu schauen und an die wirkliche Wurzel dessen zu gehen, warum er es getan hat, aus Angst davor die absolut kaputte „Ordnung“ zu gefährden.

Wenn man sich bspw. bei web.de oder einer ähnlichen Seite, obwohl man sich schon eins zu eins denken kann, was dort in welcher Form geschrieben stehen wird, doch dazu entschließt einmal auf die Nachrichten oder „Topmeldungen“ zu klicken, wird man keineswegs eines Anderen belehrt oder „beleert“. Der impulsartige Effekt des Brechreizes bleibt jedoch der Gleiche – bereits vor dem traurigen Ereignis in Winnenden.

„Experten bekräftigen immer wieder, eine der Ursachen seien [der Konjunktiv wird ja immerhin benutzt] die Waffengesetze in den USA, die in den meisten Bundesstaaten das Waffentragen erlauben. Auch gebe es in den USA beim Waffenkauf so gut wie keine Hindernisse.“ Wenn dieser Grund und/oder dessen suggestive Relevanz neben dem, dass betreffender Mensch frustriert war, weil er seine Arbeit verloren hat, wenigstens nicht der Einzige wäre, der Erwähnung gefunden hätte. Diese buchstäbliche Heuchelei IST zum Kotzen. Aber gut, wenn schon formuliert wird „eine der Ursachen“, dann kann man ja geschickt sprachlich den Ball weiterspielen und fragen: Was sind denn die Wurzeln der Ursachen?

Den „Amokläufer“ von Winnenden hat man hingegen als „geistes- oder psychisch krank“, als „depressiven Waffennarr“ oder als „Mensch mit einer Doppelidentität“ bezeichnet.

Ein echter Schritt hingegen muss man schon sagen, war es zu erwähnen, dass er vielleicht sein Leben lang verkannt wurde, oder nicht akzeptiert bis hin zu gemobbt. Wenn man jedoch nur oberflächlich den einzelnen Aspekten nachgeht, wird man wieder auf einen Irrweg geleitet, da diese Erscheinungen ebenfalls ausschließlich Problemsprobleme sind. Des Weiteren war zu lesen: „Man hat das Spiel Counterstrike und einige Pornobilder auf seinem Computer gefunden.“ WAS IST DAS FÜR EINE AUSSAGE? Einzig und allein weist dieser Satz auf die heuchlerischen, verhüllenden Intentionen der Kontrollierenden mit den von ihnen instrumentalisierten und manipulierten Medien hin.

Geschockt, doch nicht überrascht

Es erfüllt mit Trauer, Ungewissheit und Angst. Es paralysiert, schockt und enttäuscht. Jedoch rechneten oder erwarteten nachdenkende Menschen regelrecht nach dem Desaster in Erfurt, welches sie nicht als Einzelfall abtaten, durchgehend das Nächste. Warum taten und tun sie dies? Wie kann man vorhersehen, dass so etwas erneut passieren wird? Die Antwort ist klar: Weil dies Manifestationen dessen sind, dass etwas schief läuft, der Mensch durch die Gesellschaft krank geworden ist und sich nach jedem Mal nicht wirklich viel geändert hat. Angst ist ein Kontrollmittel. Gewisse Mächte setzen also alles daran Angst zu schüren anstatt aufzuklären.

Eine schmale Linie

„Verkanntes Genie“ oder „(potentieller) Amokläufer?“ Dieser Satz ist nicht unbedingt auf diesen, den vorliegenden Fall, zu beziehen, doch scheinen die Worte „(…)es reicht mir (…) immer dasselbe – alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potenzial“ in der im Nachhinein von den Medien als nichtig erklärten Abschiedsnachricht, oder zumindest die Introversion dieses jungen Menschen doch eher von großer Frustration, Verzweiflung und mehr als nur einem „durchgedrehten“ – warum dreht man überhaupt durch? – „Irren“ zu zeugen. Wenn ein Mensch sein ganzes Leben lang nur auf Un- und Missverständnis stößt und dieser Mensch bspw. in dem festen Glauben ist den richtigen Weg zu repräsentieren oder eine, für ihn „die“, Wahrheit zu kennen, kann dies, wenn er in der falschen Phase seiner Entwicklung erwischt wird, fatale Folgen haben. Wenn sich z.B. dieser, neben den Opfern nicht minder, arme, bemitleidenswerte Mensch aus Winnenden die Hässlichkeit mancher Menschen stark „zu Gemüte“ geführt hat, sexuell ausgegrenzt war oder nicht genug Liebe bekommen hat und (noch) zu schwach war darüber zu stehen und zu erkennen, dass auch das Verhalten „seiner“ „Feinde“ nicht naturgegeben ist, sondern Resultat zivilisatorischer, kaputter Funktionsweisen in diesem System, was wir Zivilisation oder Gesellschaft nennen, dann kann es dazu kommen, evt. begünstigt durch geringe oder auch einfach nur normale, nicht überdurchschnittlich hohe  psychologische  und emotionale Intelligenz, dass er den Verstand verliert. (Man müsste mal überlegen, warum bei den Naturvölkern keiner aufspringt und auf einmal, sei es mit Pfeil und Bogen, wild um sich schießt. „Die Wilden“…)

So ist dieser betroffene Mensch – sei es des Alters oder des Umfeldes wegen – nicht in der Lage, nicht dazu fähig, zu sehen, dass bspw. der Kleine, der ihn andauernd stichelt, sich den anderen anschließt, weil er, ebenfalls wurzelnd in der Gesellschaft, Probleme mit sich selbst und seiner Größe hat. Ein anderer tut dies evt. aus Frust auf Grund eines zerrütteten Elternhauses oder weil er nicht genug Liebe erhalten oder sonstige familiäre Probleme hat. Niemand mobbt einfach so. Aber der Gemobbte ist nach Alterslage viel zu sehr mit den ihm zugefügten Schmerzen beschäftigt, als dass er über die (Hinter)Gründe seiner Peiniger nachdenken könnte. (Auch ist, ohne dass es zwangsweise mit familiären Problemen verbunden sein muss, über allem, für die meisten Menschen, die in dieser Zivilisation leben, ein mulmiges Gefühl spürbar, das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Diese Ungewissheit ist schrecklich. Man weiß nicht wieso es einem nicht wirklich gut geht, wieso man nicht glücklich ist oder nur scheinbar, mit Ausklammern und Unterdrückung von Gedanken, sich also in einem illusionären Glück wiegend. Wir sind konditioniert („erzogen“), weitgehend denaturalisiert, also enorm manipuliert, ideologisiert und somit funktionalisiert von eben dem was man nicht richtig definieren oder aussprechen kann…da ist irgendwas…irgendwas am Werke. Was ist es? Das gilt es herauszufinden.)

Jemand wandte sich bereits schon nach dem Fall in Erfurt an die Öffentlichkeit:

„Ich kenne es selber. Als ich im Alter von dreizehn Jahren, ‚begünstigt’ durch mein ‚Anderssein’, auf heftigste Weise schikaniert wurde, gab es einen Punkt an dem ich dachte, ‚Morgen nimmst du dir das kleine Küchenmesser und stichst dem Arschloch in den Oberschenkel’. Wie kam es zu diesem Gedanken? Ich war schon seit früher Kindheit täglicher Gewalt meiner Cousins ausgesetzt. Das hatte mich natürlich geprägt (Stichwort familiäre Hintergründe und ‚Sozialisierung’ also). ‚Nur ins Bein’ weil ich mir mein Leben nicht vermiesen wollte und ferner niemals auch nur daran dachte jemanden umzubringen (ich hatte diesbezüglich auch gar keine Bilder im Kopf). Ich malte mir aus, dass es nach all der Pein, wenn diese ans Licht käme und offen gelegt würde, sogar auf Verständnis stoßen und ich gut davon kommen würde (das war halt doch alles noch sehr naives Denken). Jeder! Jeder ist bei Gewalt, je nach Alter oder Sozialisierungslage mehr oder weniger, ‚anfällig’ für Gegengewalt. Das ist völlig natürlich. DAS ist es, was man als wirklichen Selbsterhaltungstrieb bezeichnen kann.

>>Bin ich jetzt geisteskrank bzw. war ich es damals, mit 13 Jahren? Auch nur eine Ausnahme, die ja vom Normalfall, von der Norm abweicht?<<

Ich wurde zwei Jahre hindurch tief verletzt, doch ich hatte irgendwie etwas…aber man kann nicht davon ausgehen, dass dieses etwas jeder hat. Ferner will ich beim besten Willen nicht für mich postulieren, dass ich einer der schlimmsten Formen des so genannten Mobbings ausgesetzt war und mir deshalb auch nicht anmaßen, zu wissen wie sich Leute fühlen, die bspw. auch noch durchgehend körperlicher Gewalt ausgesetzt sind. Trotzdem, auf alle Fälle bezogen, möchte ich darauf hinweisen, dass es leicht ist zu (be-)urteilen, wenn man selbst nicht drinnen steckt und das tun die Meisten nicht. >>Wer ist krank?<< Das Individuum oder eher das Umfeld, welches das Individuum, nach Lage und Konstitution verschieden, krank MACHT oder ‚ansteckt’. Warum ist das Umfeld, die Zivilisation, die Erde krank? Das ist die Frage, deren Beantwortung nachzugehen viele aus Kraft- und Energiemangel nicht vermögen. Doch es wird langsam Zeit.“

So könnte man, ausgehend von dem was dieser Mensch aus Thüringen vor einigen Jahren sagte, z.B. fragen warum die Mobbenden mobben. Oder, konkret auf den Fall von Winnenden bezogen, warum er nicht (an)erkannt oder akzeptiert wurde. Und schon sind wir wieder an einem anderen der unzähligen Punkte, von denen aus man zu ein und demselben Kern gelangt. Ganz egal von wo aus, dieser Gang muss endlich nicht nur bis zum Kern getan werden, sondern der Kern, die Wurzel selbst muss erforscht werden.

Was passiert?

Es manifestiert sich etwas, es macht sich etwas bemerkbar. Doch der Eiter, der sich da, in diesem Falle in Form von Amokläufen, herauspresst, ist kein unbekanntes Sekret der Wunde der Krankheit, die noch immer nicht ausreichend, nicht weitläufig und vor allem nicht öffentlich, analysiert und erforscht wurde. Depression und andere Zivilisationskrankheiten. Drogensucht (in Deutschland Alkoholismus natürlich an erster Stelle mit einbegriffen), Kriminalität und Gewalt. Vergewaltigung, gestörtes oder blockiertes Sexualverhalten und andere schwerwiegende, häufig mit Identitätsproblematiken verbundene, sexuelle Probleme. Oberflächlichkeit, Umweltzerstörung, und Materialismus. Vergewaltigung/Ausbeutung der 3. Welt und allgemein monetär nicht wohlhabender Leute, Massenhungertod in der 3. Welt, das gesamte Geld- und Zinssystem samt seiner Fatalitäten für Natur und Mensch und eine Menge andere Perversionen zeugen davon, dass die Gegenwart keine Gesunde ist.

Was ist zu tun? (Das „Warum“ ist wichtiger als das „Was“)

Das „Was“ kennen wir schon lange.

Nur wenn sich ernsthaft, tiefgehend und aufrecht nach dem „Warum“ gefragt, die Gründe analysiert und erforscht werden, kann der Weg zu einer Lösung Form annehmen, wird man sehen, was für eine Verbesserung des Lebens – also der Welt – zu tun ist. Dazu bedarf es jedoch der Einbeziehung des Großteiles der Menschen und nicht nur der einer intellektuellen Elite.

Dies hier ist bei Weitem nicht der erste Appell dieser Art. Allerdings muss auch endlich mal eine Wirkung erfolgen, sprich es muss gehandelt werden, denn niemand hat Lust auf noch mehr Krieg (da die Kriege ja momentan in die 3. Welt verlegt wurden, ist den Menschen in den Industrieländern ja zuzutrauen und zu vermuten, dass sie zumindest soviel egoistisch dazugelernt haben.)

Es gilt keine Angst zeigen, auf den Weg der Wahrheit zu vertrauen und für deren Offenlegung, Verbreitung und Fruchtung etwas zu tun.