Dringend benötigt: Raum und Zeit

Wir werden geboren, hinein in die Gesellschaft. Früher oder später konfrontiert man uns mit Normen, Anforderungen und dergleichen – oder wir werden konfrontiert. Niemand, der geboren wird, hat sich diese Gesellschaft ausgesucht.

Jemand, dem es bis ins „Erwachsenenalter“ gelingt, seine Natur recht zwangfrei und freiheitsliebend aufrecht zu erhalten, jemand, der mehr oder weniger bewusst ist, sieht eine sinnvolle Möglichkeit darin, Wandel von Innen herbeizuführen. Eine Basis zu schaffen, der bezüglich vor allem Ruhe und eine Art universeller Einklang Grundvoraussetzungen darstellen, auf der alles andere gedeihen kann, erfordert jedoch eines ganz besonders: Zeit.             „Zwangfrei“ und „Freiheitsliebend“ eckt in der Regel an Restriktionen des Systems. In diesem Rahmen und um den dabei entstehenden Konflikt scheinbar zu lösen, unterliegt man, im Jugendalter bzw. frühen Erwachsenenalter, erfahrungsgemäß auf einer entscheidenden Ebene dem Druck und es kommt zu einem Sich-hinreißen-Lassen. Dieses bezieht sich auf das, von dem man, je nach Sozialisierung etwas weniger oder mehr prädestiniert, ohnehin bereits angefixt ist. So wird man weiter eingenebelt vom Konsum, der Leistungsgesellschaft, dem Wettbewerb, Gewalt, Unterdrückung, Süchten etc. – ohne sich einen grundsätzlichen Konflikt einzugestehen, der auf der Identifikation mit dem Wideressenziellen fußt (man weiß um diese Ursache auch gar nicht, aber hat Angst in die Tiefe zu gehen).

„Das ist nun mal die Welt – es bringt doch eh nichts; So ist das Leben“ usw.
Manche sind vielleicht freier aufgewachsen als andere, doch wenn es zum Konflikt mit der Gesellschaft kommt, braucht in der Regel (noch) jeder Zeit; die Einen, um sich schlichtweg frei zu machen, zu entnebeln, und zu sehen. Andere benötigen Zeit zum einen für all das Vorhergegangene und ggf. zusätzlich, um sich Dinge anzueignen, die ihnen auf Grund von Chancenungleichheit nicht möglich waren, welche für sie individuell aber von Nöten sind, um zu schaffen und wirken. Natürlich ist es möglich, dass es diesbezüglich (dem individuellen „Werkzeug“ bezüglich) zu keinen Konflikten mit der Gesellschaft gekommen ist, aber in Bezug auf das Geistige ist ein Konflikt grundsätzlich vorprogrammiert, selbst wenn er sich ´nur` in bspw. Unempfindsamkeit, Suchtverhalten und chronischer Unglücklichkeit oder einem klammen Gefühl im Bauch äußert.

Kapazitäten sind sicherlich reichlich vorhanden und eine Selbstfindung und Grundruhe würde fruchtbar wirken, aber natürlich ist es eine utopische Vorstellung, dass, bei Raum und Zeit, alle Bürger des Landes in Hinsicht auf alle Lebewesen, die Natur, den Planeten von sich aus ganzheitlich bewusst werden würden – utopisch im Angesichte dieser gegenwärtigen Gesellschaft, mit all dem was uns einlullt.

 

Doch um zu wandeln und mitunter dadurch auch den Kindern ein bewussteres Fundament zu bieten, bedarf es wie gesagt Druckfreiheit, Entnebelung und provisorischen Raum. In Dänemark gibt es für Freischaffende – und alles kann Kunst sein – die Möglichkeit ohne große Hürden durch einen staatlichen Fond finanziert zu werden. Je nach Höhe des Satzes mag dies weniger oder mehr sinnvoll sein (ein hoher Satz könnte bei nicht ganz so bewussten Menschen destruktive Auswirkungen haben). Abgesehen davon, dass dies hierzulande nicht ohne weiteres möglich ist und – in Hinsicht auf wenige Fälle zu erwähnen – jeder bewusst lebende „Sozialhilfeempfänger“ erheblich weniger Schaden produziert als jemand, der in dem Maße an der Gesellschaft partizipiert, dass er, als Lohn oder „Ausgleich“ (auch für ganzheitlichen Nichteinklang), einen entsprechenden „Lebensstandard“ in Anspruch nimmt, u.a. in dem Maße, dass er oder sie nach einem harten Arbeitstag verständlicherweise zu erschöpft ist, um sich mit seinem/ihrem Selbst, Fairem Handel, Ökologie, Nachhaltigkeit und ganzheitlichen Zusammenhängen zu beschäftigen, ist noch Weiteres zu erwähnen:

Im Gegensatz zu jemandem, der durch eben jene äußerst innersystematische, benebelte, konditionierte und anhand von Widersprüchen erkennbar wideressenzielle Lebensweise – oftmals unwissend und auf jeden Fall unbewusst – destruktive Mechanismen weiter forciert, ist bei einer bewussten Zelle des Organismus Menschheit ohnehin davon auszugehen, dass entsprechender Mensch nach Mitteln, Wegen und Möglichkeiten sucht, mehr und mehr des durch die moderne Gesellschaft bedingten Schaden, mit dem auch er verbunden ist, zu reduzieren.

Man kann sagen, dass je bewusster jemand ist, er umso weniger braucht und umso weniger destruktive Mechanismen der gegenwärtigen Gesellschaft weiter forciert; er verinnerlicht, dass verarbeitete Industrienahrung, unfair gehandelte Produkte, Kinderarbeit, Atomstrom, Umweltzerstörung und –verschmutzung, das Zinswesen etc. nicht gut für das Individuum und somit auch nicht gut für den Planeten ist.

 

Grundsätzlich sollte niemand verurteilt oder bewertet werden. Denn worauf basiert das ganze System? Auf dem wovon propagiert wird, dass es darauf besteht wohl mutmaßlich nicht, schaut man sich nur die Realität an.

Einen Hang zur Trägheit bspw. hat der Mensch nicht von Grund auf. Denn auch ein solcher ist ebenso nur ein Resultat von Einnebelung in Form der Gesellschaft, in der die Grundbedürfnisse verdrängt und durch Pseudobedürfnisse und verzerrte Reizwahrnehmungen ersetzt werden, welche durch Mainstream-„Nahrung“, Massenmedien, fortwährende Konditionierungen/Manipulationen, sowie vielseitige Süchte gefüttert werden. Dies alles MACHT träge. So ist in dieser Gesellschaftsordnung tatsächlich auch Druck von Nöten, wenn man sich nicht von fragwürdigen Normen und mitunter als „Werte“ Vorgegaukeltem (in dem Fall wohl eher „Bewertungen“) befreit.

 

Nichts kommt von ungefähr und alles ist erklärbar – zumindest auf innersystematischer Ebene ;-) .

„Richtig“ und „falsch“ sind sehr vage; „gut“ und „schlecht“ kann man zwar in eindeutigen Fällen artikulieren, aber im Grunde sollte auch dies mit äußerster Umsicht und Behutsamkeit verwendet werden. Innerhalb dieser Gesellschaftsordnung fällt es sehr schwer aus, etwas als moralisch oder unmoralisch, gut oder schlecht zu identifizieren, da das Fundament ein pseudomoralisches und naturfeindliches ist. Um dieses zu ändern bedarf es zunächst einer Loslösung, um die Grundruhe und den Einklang zu erlangen, mit dem man die Gegebenheiten zu nutzen weiß, um zu wandeln, um sich zu arrangieren ohne dabei jedoch Zwang zu spüren.

Man bemerkt immer wieder, auch hier, dass der Mensch (die Menschheit) ein Organismus ist, der sich gerade über sein Dasein bewusst wird. Die Zellen, die sich bereits über ihr Zellenwesen, ihren Anteil am Ganzen bewusst sind, versuchen künstlerisch, durch das was ihnen liegt, bewusst zu machen und Wege zu finden zu helfen und schöpferisch zu wirken (durch ihre Einstellung/ihr Inneres auch auf impulsiv energetischer Ebene). Die entsprechenden Findungs- und Ordnungsprozesse und die Erweiterung und Ausweitung der Wirkungsbereiche benötigen stets Zwangfreiheit. Nach der Erlangung einer Grundruhe und universellem Einklang, oder einer diesbezüglichen Annäherung, werden diese Ordnungs-prozesse weniger Raum einnehmen und parallel zu weitläufig „ersichtlichen“ und öffentlich akzeptierten „Leistungen“ verlaufen. Ob auch dann noch gilt, dass der Fluss manchmal schneller und manchmal langsamer fließt ist nicht ganz gewiss, aber sicherlich denkbar.

 

An dieser Stelle sei nochmals gesagt: Niemand lebt für sich alleine und es gibt kein Glück im Stillen! Natürlich ist dies möglich, wenn man die Welt mit allem was dazu gehört verinnerlicht hat und im Stillen wirkt (auch im Sinne von Haus mit Paradiesgarten fernab der Zivilisation); in Form von Meditation oder Naturpflege, mit der energetischen Ausrichtung

auf das Ganze, sich selbst als Teil mit einbegriffen, vereinend, harmonisch und im Einklang.

 

Theoretisch könnte jeder Mensch genug Zeit haben. Schon längst sind – wenn verhältnismäßig auch nicht weitläufig – Wege zur Existenz- und Versorgungswahrung bekannt und gefunden, technologische Möglichkeiten in Hülle und Fülle vorhanden. Doch Angst und Misstrauen haben Überhand – Grundsäulen des Kapitalismus, Gefühlsregungen ohne die er nicht funktionieren würde. Diesbezüglich gilt es aufzuklären und das Wissen um eben jene realen, vielfältigen, flexiblen Möglichkeiten, das „Know-How“, zu verbreiten.

Viele Menschen sind seit ihrer Kindheit so eingenebelt und mehr, dass ihnen nicht klar ist, dass sie die wirkliche Freiheit der Entscheidung haben. Aber es gibt auch eine Reihe von Menschen, denen dies im Prinzip sehr wohl bewusst ist. Was hindert diese Menschen also daran, sich für die Freiheit zu entscheiden? Die Angst vor der Freiheit! Angst vor Ungewissem und Unbekanntem und somit auch Neuem. Und so besteht meistens nur ein einseitiger Respekt/Achtung; Personen, bei denen man spürt, dass sie auf dem Weg sind, etwas sichtlich zu verändern oder zu bewegen, werden häufig mehr oder weniger bewusst verkannt und abgelehnt, ihnen gegenüber Missgunst hervorgebracht, obwohl das Selbst eigentlich etwas anderes sagt. Warum möchte man die geregelten, innersystematischen Bahnen aufrechterhalten? Weshalb besteht die Angst vor der Freiheit? Wieso die Angst vor Neuem (dem Schlüssel zu wirklicher Veränderung)?

 

Auf den ersten Blick könnte man schlicht und einfach denken, dass es sich um Existenzangst handele. Diese mag zwar eine Auswirkung sein, aber nicht die Ursache!

Wilhelm Reich führte die Angst vor dem Spontanen, Lebendigen auf die Unterdrückung und Verzerrung der Sexualität zurück. Dies verkörpert sicherlich einen enorm wichtigen, maßgeblichen Aspekt und bietet sogleich einen essenziellen Denkanstoß. Es gibt allerdings auch noch andere Teile und Facetten des Ganzen.

Doch indem wir Angst, Misstrauen und all das was uns einnebelt, all die Auswüchse der Misere wie vielschichtige, flächendeckende Gewalt, drogenhafte Nahrung und Ernährung, Massenkonsum, Materialismus und dazugehörige Illusionen und Suggestionen aufrecht erhalten, unterdrücken wir uns weiter selbst und sichern das System. All das aus der Angst heraus Erdachte (und diesbezüglich auch Geschaffene) unterdrückt das Wissen, welches den Weg zu einem bewussten Sein ebnen könnte. Der Mensch weicht vor dem Wesentlichen aus, weil er ein System entwickelt hat, das Angst vor dem Wesentlichen schürt – irrationalerweise.

 

Doch Bewusstsein und Kunst werden verändern.

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