Welches Problem hat er/sie? Und warum besteht dieses Problem? – Zwei gute Fragen

Ausgang war ein Zapp auf’s ARD, wo eine Dokumentation über Udo Lindenbergs ersten Auftritt in der DDR gezeigt wurde. In dieser Dokumentation wurde auch Egon Krenz von Reinhold Beckmann interviewt.

Kurz: Die DDR wurde als überaus schändlich dargestellt und Krenz versucht zu diffamieren. Das bedeutet, dass eine objektive Basis des Gesprächs nicht einmal angepeilt wurde. All die Fragen, die Krenz gestellt wurden, waren, gerade vor dem Hintergrund, dass es sich in keiner Weise um irgendetwas Vergangenes oder gar DDR-Spezifisches, das in der heutigen BRD nicht existieren würde, handelte, vollkommen irrational und abstrus.

Als die Anfeindungen, Unterstellungen und die Penetranz seitens Beckmann das Maß der ertragbaren Unverschämtheiten für diesen Moment wahrscheinlich überstiegen, fragte ich mich, was sein Problem sei. Wenn jemand so etwas tut, so darauf aus ist dem Gegenüber zu schaden, dann zeugt das von übermäßig großen, emotionalen Komplikationen. Auch Krenz sagte, durch die kontextuelle Groteskheit der Fragestellung verständlicherweise genervt: „Lassen Sie mich doch mit solchen Fragen in Ruhe.“

Wie jeder Mensch ist auch Krenz temporär nicht fehlerfrei, aber im Vergleich zu Spitzenpolitikern der BRD, um diesen Vergleich dann im Angesichte der Situation auch einmal unmittelbar und prüfend zu ziehen, alles andere als negativ hervorstechend. Was für ein Problem hat Beckmann also?

Betrachtet man Beckmann als Repräsentanten eines größeren Gesellschaftszweiges oder vielmehr noch als Repräsentanten einer tief verankerten, mächtigen Eigendynamik, ist der Versuch unverkennbar, ein errichtetes, bestehendes System aufrecht zu erhalten, zu sichern. In diesem Falle erfolgt dieser Versuch mittels der Kujonierung von etwas anderem. Dies wiederum zeugt von Angst, was wiederum Auskunft über das Fundament gibt, auf dem bestimmte, gegenwärtige Gesellschaftsstrukturen basieren: Angst – nicht gerade ein fruchtbares Fundament, das, im Angesichte dessen, dass dieses hier unerlässlich scheint, eher von Destruktivität in Hinsicht auf entsprechende Strukturen zeugt.

Die Strukturen gesellschaftlicher Hauptströme geben Auskunft über flächendeckende, individuelle Begebenheiten. So kann man in diesem Falle sagen, dass zwanghaft, aus Angst, häufig der eigene ’Dreck’ (Arroganz, Ignoranz, Scheinmoral/-Aufrichtigkeit, Neurosen etc.) – hervorgegangen aus ungelösten Konflikten, welche auf Grund von widerfahrenen Gewaltformen entstanden sind – mittels eines Feindbildes kaschiert und weiter verdrängt und kompensiert wird. Doch allein ein irrationales, teils paranoides Feindbild legt offen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass, wann immer jemand – selbst völlig unintendiert, allein durch sein Denken oder seine Vorstellungen (und wohl am treffendsten durch seine Energie/Aura) – vom Establishment abweicht, er kurzerhand als „gefährlich“ rezepiert wird. So wird z.B. jemand polemisierend als „links“ bezeichnet auf Grund dessen, dass er in und mit seinem Wesen gewisse gegenwärtige Strukturen nicht fortführt, sichert oder festigt. Dass derjenige sich vielleicht gar nicht mit diesem politisch-spektralen Kontext oder Rahmen identifiziert, wird gerade deswegen Außen vorgelassen. (Es mag natürlich auch jene geben, die sich gleichzeitig mit Bezeichnungen wie eben „links“ etc. identifizieren.)

Derartige Einordnungen erfolgen, weil der Einordnende Gefahr/Angst verspürt. Umgekehrt ist es bemerkenswerterweise so, dass, wann immer jemand, in Bezug auf die von der angstbestimmten Person suggerierte Realität, scheinbar konform ist, automatisch vorerst keine Antipathie gegen entsprechende Person erzeugt wird, da keine Gefahr in Bezug auf den Erhalt der eigenen (Pseudo-)Identität, die fälschlicherweise zwanghaft mit der gesamten Existenz verbunden und gleichsetzt wird, verspürt wird.

Die Quintessenz der Geschichte war, dass über ganz einfache, floskelartige Fragen, das Essenzielle erkannt werden kann. Wenn jemand in irgendeiner Form übermäßig gewalttätig ist – und Beckmann war es ja auf eine Weise: „Welches Problem hat er?“

Ein kausal erklärbarer, mangelnder Fluss von Liebe und Wärme mit all seinen Auswirkungen – das Grundproblem dieser Gegenwart überhaupt. Hier gilt es, niemanden abzuschreiben, sondern sich zuzuwenden und anzunehmen. Die Lösung ist es, durch Liebe jeglicher Form zu inspirieren, sodass jemand mit dieser Inspiration in Resonanz treten und wiederum inspirierend strahlen kann – dann läuft’s.

Nicht alle Menschen, die in dieser Gesellschaft leben, schwimmen auf oben umschriebener Welle. Demnach werden auch, durch Sein und Handeln, festgefahrene Strukturen allmählich aufgelockert, oder lösen sich diese auf.

Auch wenn eine Verbindung besteht – nämlich das Bedürfnis des Menschen nach „Gemeinschaft“ etc. – die die Gesellschaft erhält, wird die Form dieses Beisammenseins (der Gesellschaft) doch jederzeit von jedem Einzelnen geprägt. Somit verändern und wandeln sich auch die Systeme und Strukturen ständig (sogar Politik ist auch nur ein vergängliches System).

Eine Gefahr, dass irgendwann alles abgestumpft, mechanisiert, automatisiert und destruktiv ist, besteht nicht, denn die lebendige, kontaktfreudige Quelle ist das, woraus restlos alles hervorgeht. So ist selbst in den Hüllen, die oft über dem Selbst liegen, noch Lebendigkeit vorzufinden. Der lebendige Kern kann zwar verschüttet, nicht aber ausgelöscht werden. Und so gibt es auch keinen Menschen, den man aufgeben muss/sollte – niemanden.

Die Beschäftigung damit, weshalb jemand entsprechende Probleme hat, führt zu gesellschaftlichen Strukturen, die jedoch niemals endgültig und absolut sein werden (siehe oben). Einerseits gilt es, wie eben geschildert, zwecks ganzheitlicher Resonanz, zu inspirieren und sich inspirieren zu lassen. Des Weiteren können, mit der Frage nach dem Warum, die Ursachen für bestimmte Zustände ergründet und diesbezüglich auch in Hinsicht auf die kommenden Generationen auflösend angesetzt werden (siehe hierzu auch die diesem Aufsatz folgenden zwei Aufsätze).

So romantisch oder vielleicht „sentimental“ es auch klingen mag, am Ende ist es doch tatsächlich die Liebe, jene Schwingung mit der wir uns stetig (rückzu-)synchronisieren versuchen, die bleibt.

Warum also nicht jetzt schon?

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